Kinder brauchen Väter
Kinder brauchen Väter, Mädchen und Jungen können nicht auf sie verzichten. Der Vater ist immer der „Dritte“ im Bunde, der hilft, die Symbiose, die enge Verbindung zwischen Mutter und Kind über die Jahre hin zu erweitern. Denn in der Symbiose gibt es ab einem bestimmten Zeitpunkt keine Entwicklung mehr für die Beteiligten. Das sehen wir schon bei der Schwangerschaft. Wenn die Geburt nicht zum rechten Zeitpunkt erfolgt, entstehen Gefahren für Kind und Mutter.
Aber wo ist der Vater im Alltag? Er ist der andere, der eher Unbekannte, der zunehmend für die Kinder spannend wird.
Er ist kaum im Alltag zu erleben, meistens trifft man ihn nur am Wochenende. In seinem Beruf können sie ihn oft gar nicht erfahren.
Wie ist er in seiner Arbeit, was sind seine Erfolge, in was scheitert er und wie geht er damit um?
Wie reagieren die anderen auf ihn? Fragen über Fragen.
Für die Jungen ist es schwieriger als für die Mädchen. Sie merken schon vor der Kindergartenzeit, dass sie anders sind als ihre Mutter. Sie sind kein Mädchen, sondern ein Junge und wollen ein Mann werden. Aber wie ist ein Mann, was macht ihn aus, wie verhält er sich? Sie halten nach ihm Ausschau und erleben in ihrer Umgebung und im Alltag meist nur Frauen. Da entsteht eine Leerstelle, die mit Figuren aus den Angeboten der Medienbranche zunehmend gefüllt wird. Meist werden ihnen Idealbilder geboten, mit denen sich zu identifizieren beginnen. Später in der Gleichaltrigengruppe orientieren sie sich an dem Stärksten, der oft aber auch nicht viel mehr weiß, außer dass er mehr Bilder in Filmen konsumiert hat und die nun umzusetzen versucht.
Es entsteht über die Jahren ein Entweder-Oder. Entweder Du gewinnst und gehörst zu den Siegern. Oder Du verlierst und bist ein Looser.
Die Tatsache, das Männer Gewinner und Verlierer sind, stark und schwach, freudig und traurig, kommt vielen erst in den Sinn, wenn sie älter sind und nicht wenige begreifen es nie.
Auch Mädchen leiden unter der Abwesenheit der Väter.
Die Mädchen haben zunächst das Vorbild für ihr Geschlecht in unmittelbarer Nähe. Sie können ihre Mutter beobachten, wie sie die Dinge anpackt, und wo sie auch scheitert. Sie haben ein unmittelbares Anschauungsobjekt, an dem sie lernen können.
Die Mutter begleitet sie auch bei ihren eigenen Schritten, mit der Welt umzugehen und gibt der Tochter dadurch Sicherheit. Das ist nicht immer einfach, aber sie kann sich an der konkreten Mutter abarbeiten.
Anders verhält es sich mit der beginnenden Pubertät. Wenn die Mädchen etwa zehn Jahre alt sind, verändert sich ihr Körper langsam hin zur Frau.
Jetzt wird auch der Vater wichtig, weil er der erste Mann im Leben einer jungen Frau ist, der sich unmittelbar in ihrer Nähe aufhält. Bemerkt er die Veränderungen und wie reagiert er darauf? Macht er ihr Komplimente, unterstützt er sie bei der Suche nach neuen Ausdrucksformen? Gibt er ihr Sicherheit in einer Zeit, in der das Mädchen selbst sehr unsicher ist?
Aus all dem Gesagten läßt sich unschwer erkennen, wie wichtig die alltägliche Anwesenheit des Vaters in der Familie ist.
Nun läßt sich das nicht so leicht bewerkstelligen bei all den Zwängen, die das heutige Familien- und Arbeitsleben so mit sich bringen.
Dennoch gibt es immer wieder kleine Stellschrauben und Freiräume, die zu nutzen sich für alle Beteiligten lohnen würde.
Aber man muss sich in diesem Gesamtproblem mit all seinen Fallstricken etwas auskennen, um zu neuen konstruktiven Lösungen zu kommen.
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